Wir müssen aus dem Teufelskreis herausfinden!

Die neuen Vorschriften zum Schutz vor Corona-Infektionen im Landkreis Esslingen, die Landrat Heinz Eininger am Do., 08.10. verkündet hat, werden begründet durch die hohen Zahlen positiver Virentests, die die kürzlich geschaffenen Schwellenwerte überschreiten. So gilt nun etwa dort, wo der Mindestabstand zwischen Menschen im öffentlichen Raum nicht eingehalten werden kann, die Pflicht zum Tragen einer Alltagsmaske. Bereits an dieser Stelle könnte man sich über Sinn und Unsinn dieser Maßnahme unterhalten, ist es doch inzwischen nachgewiesen, dass die so genannte „Alltagsmaske“ nicht geeignet ist, die Viren von hustenden Patienten sicher aufzuhalten. Der Versorgungsengpass aus März/April des Jahres ist doch längst behoben, warum fordert die Politik nicht das Tragen „professioneller“ Masken mit FFP2- Standard- und klammert sich am angeblichen „Allheilmittel Alltagsmaske“? Aber im vorliegenden Beitrag soll es um Anderes gehen, nämlich um die „7-Tage-Inzidenz“, über die aktuell die ganze Republik diskutiert:

Mit dem Beschluss zwischen Bund und Ländern zu Maßnahmen der Eindämmung der COVID-19-Epidemie vom 6. Mai 2020 wurde die 7-Tage-Inzidenz als Messzahl für eine Bewertung des Infektionsgeschehens und entsprechender Kontrollmaßnahmen festgelegt.

Das Landeskabinett in Stuttgart hat am 15. September einen Stufenplan zur Eindämmung der Pandemie beschlossen: abhängig von weiteren Faktoren greifen weitere Maßnahmen ab einer landesweiten 7-Tage-Inzidenz von mehr als 10 (so genannte Vorwarnstufe) bzw. mehr als 35 (so genannte Eingriffsstufe) positiven Virentests pro Hunderttausend Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Das so genannte „Landeskonzept zum Umgang mit einer zweiten SARS-CoV-2-Infektionswelle“ sieht ferner vor, dass es „unabhängig von der landesweiten Pandemiestufe (…) auf Ebene einzelner Stadt- und Landkreise zur Umsetzung von spezifischen Maßnahmen kommen [kann bzw. muss], insbesondere wenn dort die definierten Schwellenwerte der 7-TageInzidenz von 35 bzw. 50/100.000 Einwohner überschritten werden“.

Wir kritisieren die Orientierung von Maßnahmen an einer 7-Tage-Inzidenz!

  • Die Formulierung der Definition als Verhältniswert im Bezug auf die Einwohnerzahl suggeriert, dass diese Messung eine Aussage über die Gesamtbevölkerung erlaube. Dies ist jedoch nicht der Fall: Diese „Sieben-Tage-Inzidenz“ ist keineswegs als repräsentative Messung zu verstehen. Tatsächlich besteht die Möglichkeit einer starken Verzerrung der Datenwerte, die dann über die wirkliche Infektionslage der Bevölkerung auch keine Aussage erlauben. Denn es wird die Zahl der positiven Testergebnisse von jenen Mitbürgerinnen und Mitbürgern herangezogen, die in dem siebentägigen Zeitfenster einen Test tatsächlich durchgeführt haben. Das sind aber typischerweise Bürger, die für sich -oder die nach entsprechendem ärztlichem Hinweis- ein erhöhtes Risiko sehen und daher Klarheit über ihre Situation erhalten möchten. Beispielsweise Leute mit gewissen Krankheitssymptomen, Kontaktpersonen zu positiv Getesteten, Rückkehrer aus Risikogebieten, etc. Alles das ist sehr verständlich aus individueller bzw. medizinischer Sicht, aber es ist keineswegs eine repräsentative Auswahl der gesamten Bevölkerung des Landkreises. Es ist daher nicht statthaft, die hierdurch gewonnene Zahl positiver Ergebnisse als Bewertung aller Einwohner des Landkreises heranzuziehen!
  • Besonders irritierend ist, dass die reine Anzahl der Bürger, die das Bedürfnis haben, einen Test durchzuführen, bereits stark mitentscheidet, ob die Grenzwerte der „Vorwarnstufe“ oder „Eingriffsstufe“ überschritten werden. Sogar bei einer „sehr üblen Lage“ würden einige wenige Tests niemals diese Grenze erreichen, während viele Tests unweigerlich irgendwann dazu führen, dass die Grenzwerte überschritten werden.
  • Hinzu kommt, dass die solchermaßen gewonnenen Zahlen als „fehlerfrei“, sozusagen als unanfechtbar richtig zur Grundlage der weiteren Maßnahmen genommen werden. Das aber zu Unrecht! Denn es ist unbestritten und allgemein bekannt, dass die verwendeten „Corona- Schnelltests“ eine erhebliche Fehlerquote aufweisen. Schlimmer noch: die Fehlerquote des besten verfügbaren Tests ist höher ist als die der Grenzwerte (!), was dazu führt, dass bei ausreichend großer Zahl von Tests die Grenzwerte immer überschritten werden. Bei einer höheren Krankheitsrate geht es nur schneller. Dazu ein kleines Rechenbeispiel:

  • Der beste verfügbare Test ist - nach eigenen Aussagen - derjenige der Firma Roche mit den geradezu unfassbar guten Daten einer „Sensitivität“ von 100% und einer „Spezifität“ von 99,8%. Das heißt, dass dieser Virentest so genau ist, dass er tatsächlich alle Infizierten eindeutig erkennt! Es heißt ferner, dass er gleichzeitig nur 0,2% falsch positive Ergebnisse liefert, also Nicht-Infizierte als infiziert erscheinen lässt. Obwohl dies wohl weltweit gesehen ein Spitzenwert ist, bedeutet es doch folgendes: Wenn man Tausend vollkommen gesunde Leute testet, werden 2 Personen fälschlicher Weise als infiziert erkannt, bei Zehntausend Tests sind es 20 „falsche Kranke“, bei Hunderttausend Tests sind es 200 „Falsch- Positive“.

  • Erinnern wir uns: nach Anordnung der Landesregierung von BW greifen weitere Maßnahmen ab einer 7-Tage-Inzidenz von landesweit mehr als 10 beziehungsweise mehr als 35 positiven Virentests pro Hunderttausend Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Die Fehlerquote des besten bekannten Tests liegt aber bei 200 „Falsch-Positiven“ je Hunderttausend Getesteten, also 20-fach höher als der Grenzwert der Eingriffsstufe ! Bei ausreichend hoher Anzahl durchgeführter Tests wird also jedenfalls immer die „Vorwarnstufe“ und dann auch die „Eingriffsstufe“ gerissen werden. Falls also beim besten Test der Firma Roche in einem Zeitraum von 7 Tagen je 100.000 Einwohner nur 10.000 Leute an dem Test teilnehmen, „gewinnt“ man 20 “Falsch-Positive“ und „reißt“ damit sogar die Schwelle der „Eingriffsstufe“, auch wenn alle diese Leute vollkommen gesund sind!

Abgesehen davon, dass die ohnedies bereits hoch-emotionalisierte Bevölkerung weiter verängstigt und verunsichert wird, kommt noch der fatale Aspekt hinzu, dass viele der falsch positiv gemeldeten Personen damit auch unmittelbar ihre direkten Kontaktpersonen, also die Familie, Klassenkameraden, Kollegen, Restaurantbesucher, etc. mit in eine Quarantäne reißen!

Je mehr Bürger also an den Tests teilnehmen, desto deutlicher werden die Grenzwerte erreicht oder überschritten! Jeder „falsch-positive“ Test eines Gesunden trägt damit auch statistisch zur Erhöhung der Positivenrate bei!
Zudem -wie eingangs beschrieben- ist deutlich zu kritisieren, dass das Ergebnis jedes einzelnen Virentests in seinen Auswirkungen übermäßiger Weise auf die Bevölkerung übertragen wird, was auch aufgrund der nicht-gleichmäßigen Auswahl der Testpersonen unrichtig ist.

Das ganze erinnert an einen Teufelskreis! Politik wählt falsche Entscheidungsgrundlagen -> Bevölkerung ist verunsichert -> Bevölkerung hat Angst -> Bevölkerung findet Maßnahmen für geeignet, angemessen und richtig -> Politik sieht sich bestätigt und beschließt noch drastischere Maßnahmen usw. WIR MÜSSEN AUS DIESEM TEUFELSKREIS HERAUSFINDEN!!!

Zu Recht sagt Markus Söder, der bayrische Ministerpräsident (sinngemäß): „nur wer Krise kann, der kann auch Kanzler“. Wir sagen: wer es schafft, uns aus diesem Teufelskreis herauszuführen, der soll unser Kanzler sein, und nicht derjenige, der sich auf Basis der aktuellen Zustimmungswerte dazu hinreißen lässt, (noch) schärfere und noch unsinnigere Maßnahmen zu verabschieden!

Aus politischer Sicht es wohl geradezu widersinnig, eine Testreihe durchzuführen, bei dem sogar Gesunde irgendwann dazu beitragen, dass die Grenzwerte für harte Bürgerrechtseinschränkungen überschritten werden. Das können wir nicht wirklich wollen.

Unser Appell ist daher: beenden wir den Teufelskreis! Werden wir wieder „normal“, hören wir damit auf, uns gegenseitig zu verunsichern und uns an nicht belastbaren, nicht aussagekräftigen oder sogar falschen Zahlen hochzuschaukeln!

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