Die deftigen Auftritte zum "politischen Aschermittwoch" brauchen ein Gegengewicht: Reflexion und Selbstkritik

Viele Jahre war zum Beginn der Fastenzeit der politische Aschermittwoch in Bayern eine herausragende Veranstaltung der CSU, deren Reiz darin bestand, in deftiger Weise den Kern der eigenen Überzeugung auszusprechen und die Fesseln der linkslastigen Medienöffentlichkeit abzulegen. Es war lange Zeit ein Fest der Selbstvergewisserung und politischen Attacke, das zur Klärung der Fronten diente und die Partei deutlich unterscheidbar machte.

Der große Erfolg der CSU führte zu zahlreichen Nachahmer-Veranstaltungen und heute gibt es den "Politischen Aschermittwoch" in ganz Deutschland, wobei jeder Redner glaubt, sich dabei besonders profilieren zu können. Aus der klärenden Abgrenzung in lokaler Kulturatmosphäre wurde eine Flut von Selbstdarstellungen. Spätestens hier ist nun der Charakter des ersten Tages der Fastenzeit verlassen: Selbstbestätigung statt Suche nach dem wahren Selbst, Propaganda statt Einkehr.

Eine solche Einkehr und Reflexion ist für die CDU jedoch dringend notwendig. Das Wahlergebnis vom Sonntag in Hamburg bestätigt nur, was lange offenbar ist: Die Partei ist in einer existentiellen Krise.
Diese Krise begann unmittelbar nach der Regierungsübernahme vor 15 Jahren, als von der "Sozialdemokratisierung der CDU" die Rede war. Zahlreiche bedeutende Weichenstellungen stellten eine Abkehr vom Weg der bis dahin bekannten CDU dar, insbesondere bezüglich der europäischen Verschuldungspolitik und der Migrationspolitik, wo in beiden Fällen auch keinerlei Orientierung am geltenden Recht mehr erfolgte. Auch die berühmten "Wende"-Veränderungen bezüglich Energie, Verkehr und Landwirtschaft frustrierten sowohl viele Mitglieder als auch Wähler, insbesondere aufgrund der wirren Aufgabe von Positionen, für die man früher mit guten Argumenten eintrat und die man jetzt zugunsten links-grüner Vorstellungen leichtfertig aufgibt. Der Höhepunkt der Zerrissenheit ist jedoch in dem Moment erreicht, als die Kanzlerin per Regierungsverlautbarung in die Partei eingreift, damit der frei und demokratisch gewählte Ministerpräsident Thüringens wieder abgesetzt wird. Und das, um den vom Volk abgewählten Vertreter der SED-Linken wieder ins Amt zu bringen, obwohl diese Partei sich von ihrer früheren Gewaltherrschaft mit Elend und Tod nicht abgetrennt hat.

Die Suche nach einem neuen Vorsitzenden der CDU wird die dadurch jetzt verschärfte Zerrissenheit weiter deutlich zu Tage bringen.

In dieser Situation ist es von existentieller Notwendigkeit, sich an das zu erinnern, was tatsächlich die Christlich Demokratische Union ausmacht, was ihr Kern ist, ihr wahres Zentrum. Genau das ist es, wozu die Fastenzeit für die Christen dient: Das Reinigen von Schädlichem, das Hervorbringen und Verifizieren des wahren Kerns und der Blick auf die Richtung, aus der das Heil entspringt.

Als christlich geprägte Partei, deren Kern die Ausrichtung an der freien Person ist, wie auf diesem Blog anlässlich des Weihnachtsfestes geschrieben wurde (Link), steht es uns gut an, die Fastenzeit an diesem Aschermittwoch zu beginnen als Gelegenheit zur Neuausrichtung nach Besinnung, Reflexion und Selbstkritik.

Die CDU Neckar-Erms wird dies tun und in den nächsten Wochen grundlegende Aspekte der Politik einer wahrhaftigen Christlich Demokratischen Union zur Diskussion stellen.

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